Wie Physiker die Welt retten

Harald Lesch hat mit markigen Worten über das gegenwärtige globale Finanzwirtschaftssystem hergezogen (Beispielzitat: „Bullshit-Jobs, die keiner braucht, wie Geschäftsführer von Investmentgesellschaften“).

Wenn Physiker simple, vernünftige Dinge äußern, profitieren sie davon, dass ihnen eine unantastbare Aura der rigoros auf die Probe gestellten Intelligenz vorauseilt.

Tatsächlich hat ein frappierend großer Teil der nicht nur intelligentesten und vielseitig begabtesten, sondern auch echt, d.h. kulturell gebildetsten Menschen, die ich etwas eingehender kenne, Physik studiert (rasch überschlagen etwa 5 bis 6 Personen) – was nicht zuletzt angesichts meines eigenen nur sehr rudimentär vorhandenen Verhältnisses zu diesem Fach bemerkenswert ist.

Glücklicherweise könnte ich auch ein paar Theologen nennen, von deren überragenden geistigen Fähigkeiten ich überzeugt bin. Aber Theologen werden diese Qualitäten von der Öffentlichkeit erheblich weniger bereitwillig und wohlwollend und auch weniger eindeutig zugestanden als Physikern.

Man hört allerdings auch immer wieder den polemischen Satz, es gebe mehr fromme Physiker als fromme Bischöfe.

Neben etwas subtileren Ingenieursaufgaben gibt es also jedenfalls noch eine zweite zweifellos sehr praktisch-konkrete Funktion von Physikern für die Gesellschaft: Eine Instanz allgemeiner besonderer Glaubwürdigkeit zu sein.

Darauf bin ich als Theologe nicht neidisch. Angesichts dessen, was nahezu sämtliche mir begegnenden Physiker auf außerphysikalischen Gebieten nahezu durchweg von sich geben, kann ich über ihre bedachte Stimme und deren gesellschaftliche Anerkennung nur froh sein. Die durchschnittliche Blödsinns-Quote von nichtfachlichen Physiker-Statements ist meines Erachtens signifikant geringer als die fast aller anderen Professionsgruppen.

Von Investment-Bankern ganz zu schweigen.

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