Wie die Welt sich verändert

Warum die Welt sich verändert, bleibt ein Mysterium. Aber manchmal sind auch die bloßen Wie-Fragen – die Domäne der Wissenschaft – wirklich erhellend.

Mir scheint offensichtlich, dass im Ablauf überpersönlicher Veränderungen stets drei Schritte deutlich unterscheidbar sind, wie alle historischen Beispiele belegen:

1. In einem ersten Stadium kommt es zu einer initialen Irritation in mindestens einem der folgenden Bereiche, was sich in Lebensformen, vorinstitutionell-informellen Sozialstrukturen und Solidaritätsgewohnheiten gesellschaftlich auswirkt:

a) Naturkatastrophen, anthropogene Umweltkatastrophen (meist chemisch) und Seuchen mit ihren Folgewirkungen wie z.B. Migrationsbewegungen,

b) relativ eigendynamische makroökonomische Zäsuren („absolut“ eigendynamische makroökonomische Prozesse gibt es natürlich nicht, sie haben immer auch einen „externen“, z.B. katastrophalen, politischen oder kulturellen Anteil, aber hier eben nur einen geringen, wie etwa bei der Erschöpfung einer natürlichen Ressource),

c) Entdeckungen, Erfindungen, Erkenntnisse der Forschung, Entwicklungen der Wissenschaft mit gravierender Relevanz für den menschlichen Alltag,

d) religiöse Reformen oder ideologische Rebellionen (zu „Revolutionen“ können diese frühestens im nächsten Schritt werden).

Nur in diesem ersten Schritt kann auch das Wirken von Einzelpersonen als solchen – motiviert durch deren eher individuelle Lebenserfahrungen und -voraussetzungen – bisweilen durchaus eine gewisse Schlüsselrolle spielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Entwicklungen dieses ersten Stadiums in eine Dynamik des zweiten Schritts münden, ist allerdings umso größer, je pluraler die Bereiche sind, in denen Impulse dieser ersten Ebene gleichzeitig erfolgen und auch je genauer diese verschiedenen Impulse miteinander in Beziehung stehen, korrespondieren, aufeinander antworten.

2. Im zweiten Schritt zeitigen diese primären Entwicklungen dann gegebenenfalls als nächstes fundamentale technologisch-zivilisatorische und/oder politische Auswirkungen. Die entscheidenden Technologiefelder sind dabei Energie, Verkehr, Kommunikation, Waffen und Medizin (nur bis ca. 1950 spielte daneben auch noch der elementare Fortschritt bei Haushaltsgeräten eine wesentliche Rolle, die „jedermann“ den Alltag erleichtern).

3. Im dritten und letzten Schritt schließlich ergibt sich aus alledem möglicherweise ein Kulturbruch in Ästhetik, Ethik und Logik.

Andere Sichtweisen und Ansatzarten, kollektive Veränderungen zu betrachten und zu „erklären“, scheinen mir keine Plausibilität zu besitzen.

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