Theologie der Eliteförderung

Die teils verheerenden Auswirkungen der aktuellen gesellschaftlich-kulturellen Heterogenitätskrise auf unser Schulsystem werfen noch einmal verschärft die große, alte Frage auf: Darf der theologische Standpunkt durch Befürwortung von Eliteförderung eine Ausdifferenzierung unterschiedlicher Milieus bejahen – oder muss er im Gegenteil das Schulwesen auffordern, seine Aufgabe im Integrieren der Gesellschaft durch Forcierung der „einen Schule für alle“ zu sehen?

Für mich persönlich ist die Antwort absolut klar: Die kirchliche Soziallehre fordert eine Gleichheit der Menschen, die auf der Ebene des Umgangs mit Ungleichheit entsteht. Jeden Versuch, „Ungleichheit per se abzuschaffen“, MUSS sie aus theologischer Kohärenz heraus ablehnen.

Die theologische Forderung lautet vielmehr, dass Erziehung zur Elite eo ipso eine Erziehung zur Solidarität zu sein hat. DAS ist Christentum – nicht ein sozialtechnokratisch-gesellschaftsmechanisches Herumwerkeln an der Nivellierung von Unterschieden der „materiellen“ bzw. „positiven“ Dimension.

Ich sage nicht, dass sich die Politik nicht in einem gewissen, sinnvollen, moderaten Maß um letzteres bemühen soll. Ihre Aufgabe ist es. Hier hingegen ist von Theologie die Rede. Deren Aufgabe ist es nicht.

Sein Glaube gibt einem Christen also keine Direktive vor, ob er seine Kinder eher auf eine öffentliche oder auf eine private Schule zu schicken habe. Die Frage verlangt von ihm eine rein kasuistische kluge Beantwortung unter Berücksichtigung vieler situativer Faktoren.

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