Scholiensammlung Januar 2015

Scholien sind „Schulstückchen“, kurze Absätze, die Mitteilungen auf der Wissensebene enthalten. Mir begegnen viele interessante theologische Informationen, die ich nicht immer in einen weiteren Sinn-Kontext einbetten kann. Darum will ich sie hier einmal „an und für sich“ zum Besten geben.

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Der Begriff „sacrificium intellectus“ hat in der Sache eine lange monastische Tradition und kommt sinngemäß bei Ignatius von Loyola vor, explizit wurde er allerdings erst in der Folge des 1. Vatikanischen Konzils und schließlich durch einen literarischen Disput zwischen Max Weber (1919) und Max Scheler (1921). Im Anschluss an Karl Barth stellt sich Dietrich Bonhoeffer („Sanctorum Communio“, 1930, Werke 1, S. 172) positiv dazu, während die katholische Position dies mit Anselm von Canterbury („Proslogion“: „fides quaerens intellectus„, „credo ut intelligam„) ablehnt.

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Es ergibt propädeutisch eine Menge Sinn, die unterschiedlichen christologischen Nuancen der drei synoptischen Evangelien grob und simpel wie folgt zu verschlagworten: Für Markus ist Jesus vor allem der „leidende und auferstandene Menschensohn“, was Reminiszenzen an das Daniel-Buch und an das Märtyrer-Konzept des zweiten Makkabäerbuches bedeutsam erscheinen lässt; für Matthäus kommt verstärkt der Gesichtspunkt des „zweiten Moses“ hinzu; für Lukas folgt Jesus primär dem traditionellen Typus des „abgelehnten und verfolgten Propheten“.

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Folgende frühchristliche Schriften gelten heute allgemein als „Closest Candidates for Canonization„, die es knapp nicht ins Neue Testament der Konstantinischen Wende geschafft haben: Clemensbriefe; Barnabasbrief; Didaché; Hirt des Hermas; Petrus-Apokalypse; Protoevangelium des Jakobus; 3. Korintherbrief. Aus dem gesamten Schrifttum derjenigen „apostolischen Väter“, von denen überhaupt eigene Schriften überliefert wurden, scheint damit bezeichnenderweise nur dem Corpus der Briefe des Ignatius von Antiochien sowie aus dem Bereich der theologisch höchstwertigen evangelienähnlichen „Apokryphen“ lediglich dem Thomasevangelium der Eingang in die engere Wahl so grundlegend und frühzeitig versagt worden zu sein, dass gerade dies einige Fragen aufwirft.

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Günther Carl Dehn stellte im „Evangelischen Soziallexikon“ von 1954 (Stichwort „Sonntagsheiligung“) die These auf, der christliche Sonntag habe mit dem jüdischen Sabbat „nichts zu tun“. Dadurch verliert der Sonntag aber den Charakter seiner grundlegenden Aussage über das innerste Wesen jedes Festes, nämlich das Kernthema der „Zustimmung zur Schöpfung“ (vgl. Josef Pieper, „Zustimmung zur Welt. Eine Theorie des Festes“).

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Es ist zwecklos, den biblisch verwendeten Ausdrücken näfäsch (n-ph-sch), ruach (r-w-ch), basar (b-s-r) und leb (l-b) genaue definitorische Unterscheidungen zuordnen zu wollen, die dem hellenistischen Begriffssystem von Leib, Geist und Seele entsprechen.

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