Schlüsselkriterien für das Christentum der Zukunft

Zu dem, was ich vorangehend über die allgemeinen philosophischen Qualitätsmerkmale einer religiösen Position geschrieben habe, müssen speziell für eine zukunftsfähige Auffassung des Christentums meines Erachtens folgende Momente hinzutreten:

1. Ein sinnvoll kritisch reflektierter Bezug zur dominierenden biblischen Grundlage des christlichen Glaubens – ein Bezug, der in heutiger Zeit vor allem durch elementare bibelkundliche Bildungsmaßnahmen erst einmal von ganz neuem grundlegend wieder ermöglicht werden muss, was die Breite unserer Gesellschaften angeht.

2. Vertiefter Sinn für die strukturell besonderes ausgeprägte Orientierung gerade des christlichen Glaubens an seiner eigenen Geschichtlichkeit (vgl. Bernhard Welte), „keine Angst vor dem historischen Jesus“.

3. Ein forcierter systematisch-theologischer Primat der Gnade.

4. Ein forcierter praktisch-theologischer Primat der Demut.

5. Eine forcierte moraltheologische Priorität evangelischer Armut und der Option für die Armen.

6. Keine Abwertung des Begriffsfeldes „Symbol“, „symbolisch“, „Zeichen“ (als bezeichne dies etwas „nicht Wirkliches“).

7. Primat der Kontemplation, d.h. konkret z.B. Anerkennung der Wortlosigkeit als höchstes Ziel von Gebetspraxis, und Option für die Traditionen der Mystik.

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