Philosophische Qualitätsmerkmale der Religiosität

Die philosophischen allgemeinen Qualitätsmerkmale der Religiosität bestehen in einer siebenfachen Harmonie:

1. Harmonie mit dem obersten interreligiösen spirituell-ethischen Wertbegriff einer universalen „Bejahung“ und grundlegend „nondualistischen“ Haltung.

2. Harmonie mit dem obersten säkular-ethischen Wertbegriff der „Freiheit“.

3. Umfassende zwischenmenschlich-geschwisterliche Harmonie, realisiert als eine auf höherer („subtilerer“, nicht „buchstäblich-naiver“) Ebene empfundene und ausgedrückte Gleichheit aller Wesen über alle Grenzen und Unterschiede der Konfessionen, Religionen, politischen Parteiungen, säkularen Kulturmomente, Geschlechter, sexuellen Orientierungen und sonstigen Veranlagungen oder Einstellungen der Personen hinweg.

4. Umfassende Harmonie mit der gesamten Geschichte der konkreten eigenen Religion, mit der Kontinuität ihrer vollständigen Tradition und mit deren historisch-kritischer Betrachtbarkeit, ein Anti-Eklektizismus also, der gerade nicht dogmatisch, sondern nur hermeneutisch großzügig und gesellschaftlich dynamisch und weiterentwicklungsoffen möglich ist.

5. Harmonie mit dem Ideal umfassender Bildung ohne Grenzen im Kopf und Denkverbote, was unter anderem Harmonie mit dem kritischen Geist der Philosophie, mit dem positiv forschenden Geist der Wissenschaft, mit dem Geist politischer Klugheit sowie mit dem Geist sinnlich schön gestaltender und schöpferisch ausdrückend deutender künstlerischer Auffassung und Wiedergabe des Religiösen beinhaltet.

6. In konkreter, praktischer Weisheit gelebte Harmonie mit der eigenen menschlichen Körperlichkeit, Leiblichkeit und Sinnlichkeit.

7. In konkreter, praktischer Weisheit gelebte Harmonie mit der eigenen menschlichen Endlichkeit, Sterblichkeit, Begrenztheit, Bedingtheit und Nicht-Perfektionierbarkeit.

Dies sind die kategorischen Bedingungen, unter denen jede fremde religiöse Position uneingeschränkte Achtung verdient.

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