Peter Turkson über Klima und Leben

Kardinal Peter Turkson aus Ghana, Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, wird von „The Guardian“ am vergangenen Freitag mit der Aussage zitiert, Themen wie Abtreibung und Todesstrafe seien für die katholische Kirche wichtiger als Klimaschutz. Ethische und ökologische Fragen ließen sich nicht auf dieselbe Stufe stellen.

Vergleiche sind immer eine brisante Angelegenheit. Falls Kardinal Turkson mit dieser Äußerung absichtsvoll das kritische Reflektieren über den problematischen menschlichen Einfluss auf die irdische Klimahistorie relativieren, depotenzieren oder gar diskreditieren will, gefällt mir das nicht. Aber zunächst einmal ist seine Wortmeldung an und für sich inhaltlich einwandfrei richtig.

Denn unsere Theorien zum Thema Mensch und Klima können strukturell nie dieselbe Evidenz annehmen wie das Faktum der gewaltsamen Beendigung eines physischen Lebens. Eine Tötung ist ein präzis definierter und bestimmbarer Vorgang, der sich eindeutig erkennen lässt. Das Phänomen, das wir als Klima bezeichnen, ist seinem ganzen Wesen nach ein Paradebeispiel für höchst komplexe Mischkausalität. Wissenschaftler haben kürzlich ihre vergleichende Analyse von knapp 2000 Medienbeiträgen über den Klimawandel präsentiert, die im Herbst 2013 erschienen waren. Dabei wurde erstmals mit einer neuartigen Aufrichtigkeit die ganze mangelnde Objektivität des Klima-Diskurses deutlich. „Amtliche“ Stellungnahmen aber haben die primäre Funktion, Sachverhalte zu beurteilen, die evident sind. Insofern ist Turksons Bemerkung von bester Richtigkeit.

Und nun lasst uns als Katholiken von neuem und nur umso gründlicher über unser Verhältnis zum Klimaschutz nachdenken. Vielleicht kommen wir dann ja darauf, dass wir als Katholiken gerade deshalb die wichtigste Rolle im globalgesellschaftlichen Klima-Bewusstwerdungsprozess einzunehmen haben, weil es die spezifische Eigenschaft unserer authentischen religiösen Position ist, zwischen Ignoranten und Hysterikern die goldene Mitte zu bilden.

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