Gottes amtliches Ebenbild

Gott schuf die Kunst nach seinem Ebenbild. Verglichen mit ihr ist die Politik in der weitaus größeren Gefahr, von Wesen nach ihrem eigenen Ebenbild gestaltet zu werden, die sich selber irrtümlich für das einzige Abbild Gottes auf Erden halten.

Friedrich Hölderlin: Abbitte

Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene
Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
Tieferen Schmerzen des Lebens
Hast du manche gelernt von mir.

O vergiss es, vergib! Gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzest in deiner
Schöne wieder, du süßes Licht!

Friedrich Hölderlin: Menschenbeifall

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,
Seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,
Da ich stolzer und wilder,
Wortereicher und leerer war?

Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt,
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
An das Göttliche glauben
Die allein, die es selber sind.

Andreas Gryphius: Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Zen im Hofbräuhaus

Ein Fremder sitzt auf einem Fass
im Münchner Hofbräuhaus
und bricht entzückt von solchem Nass
in hellen Jubel aus:

„Warum besingt man nur den Wein,
warum nicht auch das Bier?“
,
so fragt er, „Kann’s denn möglich sein –
gibt’s keine Dichter hier?“

„Gnua!“ sagt der Münchner, „’s fehlt uns net
an Dichtern und Gesang.
Wer aber was vom Bier versteht,
der trinkt’s und singt net lang!“

(Anonymus)

Solide Abstellgleise

„Validation is for Parking“ (Hugh McLeod). – Dieses junge amerikanische Bonmot ist in der Treffgenauigkeit seines tieferen Sinns nur schwer zu übersetzen: Bestätigungen, Genehmigungen, Zulassungen, Berechtigungen oder Erlaubnisse dienen immer nur irgendeiner Form von Parken. „Validation“ ist ebenso der in anglophonen Ländern gültige Parkschein wie in der Wissenschaftssprache ein grundlegendes methodisches Kriterium der Sozialwissenschaften. Wer es auf „Validität“ seiner Handlungen abgesehen hat, verliert die Notwendigkeit aus dem Blick, sich zu bewegen – und zwar ständig, in mehreren Achsen und auf volles eigenes Risiko.