„Ökumene“ – erledigt

Noch niemals hat sich irgendeine Religion aufgrund von vernünftigen theologischen Argumenten in unterschiedliche Konfessionen aufgespalten, sondern immer nur aufgrund von intuitiven, imaginativen, affektiven axiomatischen Präferenzen in grundlegendsten, existenziellsten, nicht primär intellektuellen Fragen des Glaubens-„Geschmacks“.

Insofern „Ökumene“ den Abgleich von Argumenten für und wider theologische Positionen meint, ist sie rationalen Charakters und kann daher an diesen eigentlichen, wahren Kern konfessioneller Unterschiede kategorisch überhaupt nicht rühren.

Aus diesem Grund kenne ich bislang kein Konzept von „Ökumene“, dem ich eine echte Funktionalität beimessen kann. Es verwundert mich nicht im geringsten, dass der dem Zweiten Vatikanischen Konzil folgende naive „Ökumene-Hype“ seit den 80er-Jahren überaus ernüchternd und drastisch abgeflaut ist, fast wie eine platzende Seifenblase.

Es lässt sich leicht sagen, das Verhalten der römischen Amtskirche sei hauptsächlich daran schuld. Und es lässt sich tatsächlich nicht viel redlich gegen diesen Vorwurf einwenden. Das amts-katholische „Ökumene“-Benehmen war oft indiskutabel. Und dennoch überlagert dieser Umstand nur irreführend das wahre Hauptproblem: Die ganze herrschende „Ökumene“-Idee, und zwar so, wie alle Beteiligten sie im Sinn haben, kann aus methodischen, aus hermeneutischen und epistemologischen Gründen von vornherein nicht funktionieren.

Was ich im Blick habe, ist einzig und allein die friedliche, menschliche interreligiöse und interkonfessionelle Koexistenz aller Gläubigen irgendeiner Religion, sobald sie in die wahre mystische Tiefe ihrer jeweiligen Spiritualität vorgedrungen sind.

Eine andere „Ökumene“ braucht die Welt nicht.

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