Nockherberg

Die diesjährige Starkbierprobe auf dem Nockherberg war künstlerisch mal wieder voll auf der Höhe. Umso schlimmer nur die Erkenntnisdämmerung apokalyptischen Unbehagens in mir: Die eisig existenzielle Welt um uns herum wird dieses absolute Fehlen jeglichen Existenziellen in unserem solipsistisch-absurden politischen – bzw. nicht- oder pseudo-politischen – Weltausschnitt möglicherweise eines nicht allzu fernen Tages noch grausam hinweg fegen mit der überlegenen Gewalt ihrer Not, die kein Gebot kennt, schon gar kein ästhetisches, humoristisches oder gar prosit-gemütliches. Es gibt – jedenfalls für einen Christen – keine Weltzustände, in denen man grundsätzlich keine Witze mehr machen kann. Aber es gibt Weltzustände, in denen man gute Witze nur noch blutend machen kann. Geblutet hat auf diesem Nockherberg weniger denn je. Was daran liegen mag, dass die dort auftretenden Politiker alle vollkommen blutleer sind. Insofern freilich hat Marcus H. Rosenmüller das Singspiel-Szenario „Exodus der Politiker in den Weltraum“ visionär treffsicher gewählt. Dennoch: Nicht er, nicht seine Kunst hat die leise Unterschwelle des Grauens vibrieren lassen, die Kunst zu großer Kunst macht. Das Grauen war für mich weit neben und hinter allem präsent, was ich auf diesem Nockherberg zu sehen und zu hören bekam: Im Vakuum außerhalb der vernebelten Kapsel, die nicht nur die Politiker, sondern auch ihre „Derblecker“ letztlich genauso betriebsblind mit umschloss. In seiner Furchtbarkeit war dieses Schauspiel lohnend – paradoxerweise vielleicht gerade deshalb, weil es nicht die menschliche Kunst daran war, die diesen Effekt der Furchtbarkeit erzeugt hat, sondern das unaussprechlich Abwesend-Anwesende, an das diese Kunst nicht zu rühren vermochte.

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