Mein kirchenpolitisches Programm

Was die „KirchenVolksBewegung“, „Wir sind Kirche“, „Gemeindeinitiative“ etc. eint, ist eine kirchenpolitische Zielsetzung, keine theologische. Die Unterscheidung zwischen Theologie und Kirchenpolitik ist elementar, auf sie muss viel Wert gelegt werden. Aus rein theologischen Gründen hätten sich die kirchlichen Reformgruppen sicherlich nie zusammengefunden. Nicht, dass sie es nicht gewollt hätten; aber sie hätten dann bei weitem keine so klare gemeinsame Basis gewonnen, nicht so viele Sympathisanten angezogen und keine so dynamische Wirkung entfaltet. Das tragende integrative Moment dieser Reformbewegung ist präzis die Forderungstrias von synodalem Ende des Klerikalismus, Geschlechtsneutralität aller kirchlichen Ämter und Freiwilligkeit des priesterlichen Zölibats. Darüber hinaus reichen die stabilen Konsense der unter den genannten Fahnen organisierten Reformer faktisch nicht. Sie sind keine dogmatischen oder liturgischen, moralischen oder ökumenischen Konsense; erst recht keine „spirituellen“. Das sollte man nicht verkennen. Gewiss werden hinter den drei gemeinsamen kirchenpolitischen Zielen in der Praxis in vielen Fällen auch zahlreiche sonstige verbindende kirchliche und religiöse Ansichten stehen. Aber dafür steht keine der zitierten Bewegungen mit ihrem Namen ein, geschweige denn mit ihrem Programm. Das ist auch gar nicht nötig – ja, es wäre gar nicht gut; denn es würde die Gefahr erhöhen, dass die kirchliche Reformbewegung zu einer „Gegenkirche“, zu einer schismatischen Veranstaltung depraviert. Das kann nicht gewollt sein.

Die römische Amtskirche leugnet den Unterschied zwischen Theologie und Kirchenpolitik. Für sie ist ihr zwangszölibatärer, zwangsmännlicher Zwangsklerus eine Glaubensfrage.

Angesichts dessen bleibt der Kirchenreformbewegung meines Erachtens nichts anderes übrig, als echt und profund theologisch hiergegen zu argumentieren. Es nützt nichts, immerfort nur zu sagen: „Nein, unsere Kritikpunkte betreffen nicht wirklich die Theologie, sie sind in Wahrheit nur Politik!“ Rom beharrt einfach auf dem Gegenteil. Und selbst wenn eine Mehrheit der sogenannten „Laien“ der Reformposition zustimmen würde, wäre es immer noch ein bedenklichster schismatischer Akt, die bislang gültigen kirchenamtlichen Vorgaben in diesen drei Punkten einfach zu ignorieren, anstatt sich die Mühe zu machen, sie auf ihrem eigensten geistigen Feld zu widerlegen und zur Kapitulation zu zwingen vor dem Richterstuhl der intellektuellen Redlichkeit. Sollten die Vertreter Roms es dann wagen, sich auf unmittelbar göttliches Recht zu berufen, so kann man ihnen getrost entgegnen, dass Gott nicht als Berufungsinstanz tätig wird für Wahrheitsfindungen, die nicht zuerst der Würde der uns von Gott gegebenen Vernunft gerecht wurden.

Ich bin überzeugt, dass man innerhalb des Prämissenrahmens der traditionellen katholischen Theologie sehr starke und präzise Argumente für die Forderungen der katholischen Reformbewegung und gegen den „petrifizierten“ römischen Standpunkt artikulieren kann. Und dass man sich dieser Anstrengung auch und gerade dann gründlichst unterziehen muss, wenn man selber die Fragen, um die es einem geht, gar nicht für ein eigentlich theologisches Thema hält.

Diese Aufgabe mache ich mir im besonderen persönlich zu eigen im Interesse der kirchlichen Erneuerung.

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