Lieblingsthema: Mystiker-Ökumene

Ich persönlich gehe bedenkenlos so weit, zu sagen: Die Ökumene der echten Mystiker ist so universal, dass es neben der Tatsache ihres Mystiker-Seins an sich ziemlich unwesentlich ist, im Rahmen welcher Religion sie es sind.

Wichtig ist allerdings, dass das „Genus“ der Mystiker in allen Religionen repräsentiert und präsent ist.

Umgekehrt ist jede Religion eine wesentliche Hilfe für die mystische Entwicklung des Menschen – oder KANN es zumindest sein.

Diesbezüglich hat jeder Einzelne seine eigene, individuelle Berufung. Ein Mensch kann sich vielleicht seinen geistigen Ort willkürlich aussuchen, aber nicht seinen geistlichen.

Für Eckhart Tolle beispielsweise scheint immer klar gewesen zu sein, dass er ein Mystiker außerhalb aller konkreten Religion zu sein hat. Auch das ist wichtig – von den Mystikern muss auch diese „Position besetzt werden“, sozusagen.

Von einer nicht allzu langen Zweifelsphase abgesehen, in der ich am stärksten zum Zen-Buddhismus neigte, war und ist für mich klar, dass ich – soweit ich es vermag – ein echter Mystiker innerhalb der christlichen Religion und der katholischen Konfession zu sein habe, in die hinein ich „geboren“ wurde. Der „Ausflug“ in den Zen-Buddhismus hat mir entscheidend geholfen, das zu erkennen. Er war für mich unschätzbar wertvoll.

Ich habe übrigens keine sonderliche Affinität zum „christlichen Zen“. „Christlicher Zen“ ist für mich etwas, das es nicht „braucht“. Möglicherweise ist aber natürlich auch „christlicher Zen“ eine von echten Mystikern zu „besetzende Position“. Diese Möglichkeit will ich gar nicht ausschließen oder abstreiten. Auch wenn ich persönlich unter dem Etikett „christlicher Zen“ – vielleicht zu Unrecht – eher spirituell nur schein-ergiebigen „interkulturellen“ Mischmasch befürchte.

Mein Eindruck ist ganz deutlich, dass der Katholizismus, so, wie er ist, alles zu „bieten“ hat, was ein echter Mystiker „braucht“ – sofern man das überhaupt so sagen kann -, und nichts enthält, was wahre Mystik „behindern“ würde. Die katholische Kirche stellt dem echten Mystiker keine Verbesserungs- oder Ergänzungs-, sondern lediglich eine Aneignungs-Aufgabe.

Die „mystiker-ökumenische“ Sichtweise tritt übrigens mit dem christlichen Missionsauftrag keineswegs in Konflikt. Aber diesen Punkt sollte ich vielleicht einmal an anderer Stelle genauer erklären.

Für hier und jetzt bleibt festzuhalten: Es kann letztlich überhaupt keine andere echte Ökumene geben als die Ökumene der echten Mystiker. Nur mystisch aufgefasste religiöse Positionen sind aneinander vermittelbar. Zwischen nicht-mystischen, das heißt fundamentalistisch-dogmatischen religiösen Standpunkten bleibt jede „Ökumene“ bei genauerem Hinsehen unvermeidlich bloße Prätention.

Echte Mystiker hingegen „brauchen“ eigentlich keine Ökumene: Sie SIND sie.

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