Klaus Berger

KNA meldet, im Januar werde im Magazin „Cicero“ ein Interview mit Klaus Berger erscheinen, worin dieser die gängige Interpretation des Eintretens Jesu für Gewaltlosigkeit und Familie bezweifelt.

Klaus Berger, das inzwischen schon leicht betagte enfant terrible der Theologie, ist immer für eine Überraschung gut. Fundamentalist gescholten, wirft er seinerseits dem akademischen Theologiebetrieb unfruchtbaren Methoden-Konservativismus vor – zu recht.

Im einzelnen wird man mich sicher nicht viele Positionen von Berger bis in die letzte Konsequenz teilen finden. Mehr als alle Universitätsdebatten sagt für mich über seine innersten Positionen sein Engagement am Hausstudium der erzkonservativen Trappisten von Mariawald seit 2010 aus.

Aber Berger ist ein Provokateur, der die Theologie tatsächlich positiv belebt. Vor allem zur theologischen Methodenlehre hat er Wertvolles beigetragen. Dass die neutestamentlichen Schriften primär literarischen Eigengesetzen folgen – und zwar solchen des Hellenismus – und von diesen her verstanden werden müssen; dass daher die Suche nach einer „ipsissima vox“ Jesu immer nur von sehr begrenzter Ergiebigkeit sein kann; dass rein historisch-kritische und soziologische Bibel-Analyseansätze stets notwendig viel zu subjektiv-projektiv sind und bleiben; dass es zumindest universitär statt einer „Theologie des Neuen Testaments“ immer nur eine „Theologiegeschichte des Urchristentums“ geben könne – all das ist glänzend richtig und wurde von Berger gegen eine Welle methodologischer Gewagtheiten vor allem der 70er- und 80er-Jahre mit besten Gründen hochgehalten, womit er tatsächlich einer der Ersten und Wenigen, oft sogar zeitweilig wohl der Einzige war, der diesen Einwand so mutig äußerte. Sein möglicher persönlicher Traditionalismus fällt gegenüber diesen Verdiensten für mich nicht ins Gewicht – ebenso wie seine eher begrenzte Ausstrahlung von entspannter Lebensfreude. Berger ist ein kluger Mann, der sauber denken und damit „Freund wie Feind“ geistig gewinnbringend anregen kann.

In der Sendereihe „Bibel TV – Das Gespräch“ äußerte Berger Anfang 2014, die Theologie benötige eine „Reformation auf der Grundlage eines anderen, differenzierteren philosophischen Wahrheitsbegriffs“. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf.

„Alle Jesus-Bilder, die uns die liberale Forschung seit dem 19. Jahrhundert anbietet, sind vom Zeitgeist manipuliert“, sagt er laut KNA. Wo er recht hat, hat er recht.

Und dass der Jesus, der sagte, er sei nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, und der die Händler im Tempel tätlich angriff, ebenso wenig undifferenziert einer naiven Position der Gewaltlosigkeit zugeordnet werden kann wie der Jesus, der mit seiner Familie schwere Konflikte auszutragen hatte und seinen Jüngerinnen und Jüngern schroff empfahl, ihre biologischen Verwandtschaftsbindungen zurückzulassen, als simpler Verklärer der Familie angemessen zu verstehen ist, ist ebenso zutreffend.

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