Guter Rat aus der Ferne

Von mystisch-kontemplativer Spiritualität kann religionshistorisch sinnvoll erst ab genau dem Zeitpunkt die Rede sein, ab dem eine deutlich anders geartete „gegenständliche“ Spiritualität nachweisbar wird, von der die Praxis der mystischen Kontemplation sich bewusst abgrenzt. Für diesen Nachweis sind insbesondere die Ursprungszeugnisse eines dezidiert liturgischen Geistes interessant, der zwischen säkularer und sakraler Sphäre – mithin meist zugleich auch zwischen den sozialen Sphären der „Laien“ und der „Kleriker“ – eine scharfe, separative Trennlinie zieht. Ein Initialzündungsmoment solcher Dominanz religiöser Eigenpraxis dokumentiert beispielsweise Ex 7,16, worin der Gott der Israeliten den ägyptischen Pharao durch den Mund des Mose auffordert: „Lass mein Volk in die Wüste ziehen, damit es mir dort Opfer darbringen kann!“ Opferkultorte in Wüsten aufsuchen ist genau das, womit kontemplative Mystiker NICHT beschäftigt sind.

„Wenn ihr das Heilige liebt und das Gewöhnliche verachtet, schaukelt ihr noch immer mitten im Ozean der Verblendung.“ (Rinzai Gigen, + um 866)

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