Karriere-Bettler

Ein pfiffiger Bursche mit klaren Augen kommt an die Zugabteiltür und stellt sich mit der Bemerkung vor, er sei „ohne Geld unterwegs“. Weil seine muntere Erscheinung mich an Jesus erinnert, greife ich in die Tasche. Was aber hätte ich, frage ich mich unverzüglich, einem gegeben, in dem alles erloschen wirkt, der nur stumm greint und stinkt, oder – fraglicher noch – in dessen Blick ich zu Recht oder zu Unrecht die kalte Abgebrühtheit der wohlorganisierten Banden zu erkennen glaube? Dieses Almosen war vielleicht gerade deshalb besonders gut, weil es allzu offensichtlich keine sichere moralische Leistung war, und gerade darum verstehen lehrt: Gott oder der Kosmos schickt uns die Bettler zu dem Zweck, dass wir nicht in Ruhe gelassen werden; denn es will uns einfach nicht aufrichtig stimmig gelingen, über unseren Umgang mit Bettlern sinnvolle Regeln aufzustellen, solange wir sie nicht alle persönlich kennen mit ihrer ganzen wahren Geschichte – aber persönlich kennen möchten wir sie wiederum gar nicht, da sie ja Bettler sind. Jeder Bettler ist ein Zwickmühlespiel des Universums gegen uns, das wir immer nur verlieren können, ob wir unseren Groschen hineingeben oder nicht. Diese Erkenntnis ist unser großer potenzieller Gewinn dabei.

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