Getrennt essen, vereint lieben

Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, die offenen Tischgemeinschaften Jesu fortzusetzen, müssen wir mit diesem Umstand wenigstens ehrlich umgehen. Es hat meines Erachtens keinen bahnbrechend innovativen Sinn, mit kirchenpolitischer Intention verstärkt formlose „Agapefeiern“ zu veranstalten. Das lässt ja doch nicht vergessen, dass es eine definierte „Eucharistie“ gibt, an der „transkonfessionelle“ Teilnahme katholischerseits nicht gestattet wird. Es weist im Endeffekt nur eher noch peinlicher darauf hin.

Wenn wir nach förmlichen Bestätigungen und Erfolgen ökumenischer Bemühungen hungern – wie etwa nach dem Möglichwerden „eucharistischer Mahlgemeinschaft“ -, sollten wir uns in der Tat kritisch fragen, was wir dadurch in Wahrheit eigentlich zu bestärken streben? Vielleicht nur unsere allzu privaten Einbildungen und Versteifungen in Bezug darauf, wie die Welt idealerweise zu sein habe?

Es wäre jedenfalls aufrichtiger und auch eine weniger enttäuschungsanfällige „Strategie“, wenn wir uns und einander unbeschönt eingestehen, dass solche formalen Ökumene-Ziele überwiegend nicht erreichbar sind. Zu große strukturelle Probleme – die niemand von uns als einzelner und im besonderen „erfunden“ hat, auch die katholischen Bischöfe nicht! – stehen dieser Erwartung massiv entgegen.

Nicht nur angesichts dieser Umstände, sondern ganz grundsätzlich scheint mir viel wichtiger, dass wir eine geistige Ökumene über die äußerlichen Verschiedenheiten hinweg lernen und pflegen. Wem Christsein nicht wichtiger ist als Katholischsein, den akzeptiere ich weder als Christen noch als Katholiken.

Das hat übrigens nichts mit der Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben zu tun. Wir müssen als Christen mit der offenen Wunde unserer konfessionellen Fraktionierung genauso mystisch bejahend, heilsam und produktiv leben wie mit den Wunden Jesu und dem Gebrochen-Werden-Müssen des Brotes.

Ich misstraue einer geistliche Persönlichkeitsreifung durch institutionelle Geborgenheit ersetzenden kirchlichen Harmonie-Idylle, die ich durch ganz bestimmte Formalisierungswünsche an die Ökumene angezielt zu werden im Verdacht habe. Machen sich hinter christlichen Versammlungen derartige konkordanziale Bemühungen bemerkbar, kommt es mir vor, als sollte ein gemischtes, neutrales Feldlazarett, in dem Verwundete aller Parteien stöhnend nebeneinander liegen, in einen geschmeidigen Chirurgenkongress umfunktioniert werden. Das ist nicht das, wozu Kirche da ist.

In wessen Leben nicht statistisch auf einen „Ökumenischen Kirchentag“ hundert heimisch-konfessionelle Eucharistie- oder Abendmahlsfeiern – ganz gleich, ob mit oder ohne Transsubstantiation – kommen, der sollte sein Verhältnis zu dem, was er da treibt, noch einmal dringend überdenken.

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