Erleuchtung in sieben Strophen

Die Sklaventunnels unter dem Colosseum, den Caracalla-Thermen, der kaiserlichen Villa in Tivoli betrachten: Wenn Tunnels etwas für Knechte sind – dann heraus aus den Katakomben mit allen wahren Christen! Das Dasein zu einer Oase machen in der labyrinthischen Wüste der Gedanken. Die Nuss Welt, die man nicht knacken kann, in die Tasche stecken.

Das Credo so sprechen, wie man eine Nationalhymne singt. Nicht aus dem Denzinger beten. Mit der Vernunft glaubt man nicht. Man kann auch nicht mit den Ohren essen.

Zu zweifeln trainiert, mit Biegsamkeit gerüstet, in Sanftheit gestählt, bis an die Zähne bewaffnet mit Friedfertigkeit – warten auf Gottes ersten Schritt. Erkennen, dass das Himmelreich keine Utopie ist, sondern eine „Pantopie“. Dass ein Geheimnis kein Rätsel ist, das man auflösen kann.

Einsehen, dass man nicht besser ist, sondern es nur besser hatte. Lieber seine zehn Cent geben und sich dafür von Herzen sagen:
 Dies gebe ich als ein Geizhals, und für einen Geizhals ist das schon ganz gut. Das Almosen, das die Welt verbessern will, ist ein Stein im Magen des Hungernden, eine Kröte in der Hand des Verzweifelten, ein Gift in den Adern des Kranken.

Erkennen, dass es nicht Zusammenhänge und Zusammenhangsloses gibt, sondern nur schwere und leichte, helle und dunkle Beziehungen. „Armut bekämpfen“ ist vielleicht ein Irrtum (vielleicht). „Frieden schaffen“ ist vielleicht ein Irrtum (vielleicht). „Energie sparen“ ist vielleicht ein Irrtum (vielleicht). „Erinnerung bewahren“ ist vielleicht ein Irrtum (vielleicht). „Die Wahrheit sagen“ ist vielleicht ein Irrtum (vielleicht).

Als größte Hoffnung immer hoffen, dass man Unrecht hat. Heilt es den Patienten, wenn der Arzt gesund ist? Die Immerklugen sind die Dümmsten von allen, weil in einer Welt der Unvollkommenheiten, der Ärgernisse und des Leidens die Mühe, die es kostet, immer klug sein zu wollen, unrentabel ist.

Das Leben nicht in Routinen, sondern aus Projekten bestehen lassen.
 Ein skrupelloser Zeitgewinnler sein! Auf allen Festen tanzen, die gerade gefeiert werden, unter der unsichtbaren Kapuze des Ordens der Anonymen Eremiten.

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