Ein Reformprogramm

Es gibt kein „anderes“ Katholisch-Sein (adjektivisch), es gibt nur ein „anders“ Katholisch-Sein (adverbial), eine andere „Mentalität“, eine veränderte geistige Nuance innerhalb des einen Katholischen. DAS ist es, was auch Papst Franziskus will. Dieses neuartige Licht, in dem die „wesentlich“ unveränderten katholischen Glaubenswahrheiten erscheinen, beleuchtet insbesondere folgende Elemente neu:

1. Stellung und Funktion der Kirchendisziplin und des Kirchenrechts – die nicht „Glaubensinhalte“ sind

2. Rolle und Stellung von Amt und Priestertum in der Kirche (Problem des Klerikalismus)

3. Rolle und Stellung der Frauen in der Kirche

4. Rolle und Stellung der Beichtpraxis (nicht des Sakraments der Versöhnung an sich), des verbalen Gebets, des liturgischen Lebens außerhalb des engeren Vollzugskerns der Sakramente sowie des erweiterten katholischen Brauchtums

5. Rolle und Stellung der Marien-, Heiligen- und Reliquienverehrung sowie der Ablasspraxis

6. Stellung und Funktion von dogmatischen Wahrheitsformeln und Aussprechen des Glaubensbekenntnisses

7. Verhältnis der Religion zur Wissenschaft – wobei heute weniger die Naturwissenschaften das zentrale Problem darstellen als vielmehr die historisch-kritische Betrachtung von Kirchengeschichte und Bibel

8. Verhältnis der Religion zur Politik

9. zeitgemäßes Konzept der Mission und „postmoderner“ Begriff der gesellschaftlichen „Ränder“

10. Spiritualität und Moral der Armut

11. Spiritualität und Moral des Gehorsams

12. Spiritualität und Moral der Sexualität

In der Kirche herrschte zu allen Zeiten eine unstrittige Einheit der Wahrheit, eine umstrittene Einheit der Theologie und ein unstrittiger Pluralismus der „Spiritualitäten“. In diesem Sinne ist das absolut Entscheidende, das die Kirche heute braucht, eine neue Spiritualität einer möglichst großen Konsens-Gruppe der Gegenwart und der Zukunft zugewandter Katholiken, die gleichwohl fest auf dem Boden der einen katholischen Wahrheit und Theologie stehen und die Berechtigung anderer Spiritualitäten außer ihrer eigenen niemandem streitig machen und nicht in Abrede stellen, während sie zugleich konsequent darauf hinarbeiten, das geistige Klima innerhalb der katholischen Kirche künftig ebenso entschieden zu dominieren, wie dies derzeit noch eine eher „rückwärtsgewandte“ Theologie tut.

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