Deutschland-Gaga

In der ZDF-Sendereihe „Terra X“, einem ehemaligen Bildungsfernsehen, läuft seit heute ein neuer Mehrteiler: „Deutschland-Saga“. Die erste Folge beginnt beim urdeutschen Urozeans-Plankton und fräst sich in 43 Minuten auf der Zeitschiene erbarmungslos bis zu Karl dem Großen vor. Da bleibt natürlich keine Zeit, um mal kurz begriffsreflexiv darüber nachzusinnen, ob der erste Karl wirklich schon nennenswert „deutscher“ ist als der Plankton (oder einen Franzosen danach zu fragen).

Um dem Publikum etwas Neues zu bieten, genügt es freilich nicht, immer neue Minimalismus-Rekorde beim Kondensieren von sogenannter Bildung aufzustellen. Das Programm muss darüber hinaus auch von einem australisch-britisch-exzentrisch-exotischen Historiker salopp moderiert werden. Jegliche weiteren Guido-Knopp-Klone wurden immerhin zutreffend als redundant erkannt. Der Neue ist freilich beileibe nicht das Erbärmlichste an dieser Produktion.

Das Erbärmlichste ist natürlich wieder einmal die Musik – diesmal aber ganz besonders bei der Eroberung Roms durch die (irgendwie auch deutschen) Westgoten im Jahr 410. Die hörten damals nämlich, wie ich zu meiner Überraschung gelernt habe, den Schlager „Arrivederci Roma„. Klar – ob man das tausendfache Foltern und Niedermetzeln von Menschen ironisieren darf, hängt bloß davon ab, wie lange es schon her ist und ob es im Geschichtsbuch für die Mittelstufe heute noch mehr als eine Zeile schafft.

Für coole, witzige Typen, die sich voll krass für Bildung interessieren, möchte ich diesen Beitrag daher schließen mit den Worten: „Oh, hängt ihn auf…“!

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