Der Karneval der Hierarchien

Dass die mit der gestrigen Wahl des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm zum neuen EKD-Ratsvorsitzenden eingetretene jüngste Zentralisierung der diplomatischen Spitzen beider deutscher Großkirchen in München viel zu besagen hat, ist nicht zu erwarten. Denn zwischen den beiden Kirchen überwiegt ein gewisser tiefer Kulturunterschied, den Heiner Koch auf den Punkt gebracht hat. Der katholische Oberhirte in der Gastgeberstadt der EKD-Wahl, Dresden, stammt aus dem Erzbistum Köln. Höflich bezog er seinen treffenden Kommentar auf eine scheinbar bloß geographische Ost-West-Differenz, als er feststellte, im Rheinland wäre es undenkbar, eine solche Wahl am 11.11. abzuhalten, an dem nicht nur Sankt Martin ist.

Was er damit wirklich thematisiert hat, ist die Tatsache, dass die bedeutsamste und mindestens noch lange virulent bleibende Verschiedenheit zwischen Katholiken und Protestanten weder in Dogmen liegt noch in Sakramentenauffassung oder Rechtfertigungslehre oder sonst irgendetwas Theoretischem. Auch nicht in Heiligen- und Reliquienverehrung oder im Amtsverständnis, wenngleich diese Punkte dem Kern der Sache schon etwas näher kommen. Sie liegt in unterschiedlichen kulturellen Milieus, die eine wesentliche soziodynamische Basis in der Aggregation, der Sympathie und Antipathie bestimmter Charaktere und Persönlichkeiten haben.

Ökumenische Bemühungen, die diesen Umstand nicht zentral berücksichtigen und respektieren, werden ziemlich erfolglos bleiben und in Enttäuschungen münden. Charakterunterschiede bzw. deren Überbrückung kann man nicht argumentativ „vereinbaren“. Nur wenn man das akzeptiert, fängt man an, einander über die konfessionellen Grenzen hinweg wirklich besser zu verstehen. Darauf kommt es an.

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