Das Geheimnis der Piraten

Wahrscheinlich war ich auch mal Cowboy im Kinderfasching; aber stärkere Erinnerung habe ich daran, Pirat gewesen zu sein. Das entzückt mich noch heute: Schon mit sechs Jahren gab ich intuitiv der Piraterie den Vorrang vor systemkonformem edlem Polizisten-, Indianer-, Cowboy- oder Rittertum. Was es mit der Augenklappe als typischem Kennzeichen des Piraten eigentlich auf sich hat, fand ich allerdings erst fast dreißig Jahre später zufällig heraus. Als Kind dachte ich, Piraten würden sich in ihren vielen heftigen Kämpfen gegen das unerträglich Gute, die sie mit spitzen Säbeln führen, eben überdurchschnittlich oft am Auge verletzen, und wunderte mich noch nicht über die mangelnde Logik dieser Annahme, die ja erfordern müsste, dass auch alle anderen Angehörigen historischer kämpfender Berufe den Seeräubern auf den Faschingsbällen dieser Welt mit ihren Augenverbänden Konkurrenz machen. In Wirklichkeit erblindeten die Navigatoren alter Schiffe sehr häufig auf einem Auge, weil sie vor der Erfindung des Sextanten mit dem Peilstab unmittelbar in die Sonne zielen mussten, um ihre Position auf den Weltmeeren zu bestimmen. Die Augenklappe des Piraten ist also in Wahrheit ein Symbol für den Preis der Erkenntnis, und das gefällt mir nur umso mehr.

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