Bischof Oster über „kath.net“

Er sei zwar „einverstanden und dankbar“, dass das von einem österreichischen Verein getragene Portal „kath.net“ versuche, „den katholischen Glauben in seiner Schönheit und Wahrheit darzustellen“; „wirklich schwer“ tue er sich aber mit der aus seiner Sicht „zunehmend tendenziösen Berichterstattung“, die eine Polarisierung von Bischöfen, Priestern und Theologen „in klar identifizierbare Lager“ vorantreibe. Dieser Facebook-Beitrag des Passauer Bischofs erzeugt derzeit ein vielfältiges, lautes Echo in den sozialen Medien.

In einem Nachfolgebeitrag erklärt Stefan Oster daraufhin, er äußere sich in niemandes Auftrag, wolle von keiner Seite vereinnahmt werden und habe die Absicht, gerade gegen innerkirchliche „Lager“-Bildungen einzutreten.

Und er fügt hinzu: Im 20. Jahrhundert hätten etwa Karl Rahner, Hans Urs von Balthasar, Joseph Ratzinger und Johann Baptist Metz miteinander um Wahrheit gerungen und gestritten, „und ja, es ist möglich, sich in der grundsätzlichen Denkform und inhaltlichen Nähe eines jeden (!) dieser Denker zu bewegen und dennoch im rechten Glauben und in der Liebe zur Kirche zu bleiben und dabei Gott und den Menschen zu dienen.“

Persönlich schließe ich mich denen an, die für diesen Satz im Namen von Karl Rahner danken.

Obwohl Oster im selben Atemzug betont, er teile sachlich in vielem Positionen, die „kath.net“ favorisiere, – was ich von mir selbst objektiv nicht behaupten kann -, erscheint mir diese Äußerung als der relevanteste und konstruktivste theologische Beitrag, den ich in der letzten Zeit von einem deutschen Bischof gehört habe.

Denn seine Konkurrenz um diese Ehre besteht in Sätzen wie etwa jenem jüngsten von Kardinal Marx, „die Zukunft der Kirche werde sich an ihrer Stellungnahme zum Thema Familie entscheiden“. Was ich für einen kompletten Irrtum halte.

Oster erkennt, dass in der Kirche vor allem wieder echt Theologie getrieben werden muss. Er hat recht. Darauf kommt es an. Und sein Facebook-Kommentar lebt auf eine erfrischend unbefangene Weise den Geist vor, in dem allein das geschehen kann. Bravo.

Kommentare sind geschlossen.