Ad multos annos, Father Louis!

Heute vor 100 Jahren wurde Thomas Merton geboren. Er war wahrscheinlich der bedeutendste katholische spirituelle Lehrer des 20. Jahrhunderts. Und auch ganz persönlich fühle ich mich zum Geist seiner Bücher „The Seven Storey Mountain“ und „The Sign of Jonas“ stark hingezogen – trotz mancher inhaltlicher Differenzen und Vorbehalte, die ich durchaus empfinde. Aber auf die kommt es nicht entscheidend an. Auf eine seltsam ambivalente Weise ist Mertons zisterziensische, einerseits staubtrocken-nüchterne, andererseits betont marienfromme Spiritualität keineswegs buchstäblich „meine“ – und mir zugleich doch innerlich sehr nahe, zumal in der ausgeprägt amerikanisch-lässigen Wendung, die Mertons individuelle Persönlichkeit seiner archaischen Ordenskultur verleiht. Sich als kleiner, kritisierbarer Gegenwarts-, ja Augenblicks-Mensch dennoch ohne Scheu unter eine große, konkrete Bürde der Geschichte, der Tradition zu stellen – das ist vermutlich eine der wichtigsten Lektionen, die mich als damaligen tendenziellen charakterlichen Gefangenen eines Entweder-Oder zwischen „eigener Fehlerhaftigkeit oder Fehlerhaftigkeit der Kirche“ an Mertons Haltung so tief beeindruckt haben: Weder die Kirche irrt noch an mir ist irgendetwas falsch, sondern „die Kirche“ und ich sind dazu da, konstruktiv aufeinander zu reagieren, und je spannungsreicher unser Verhältnis ist, desto schöpferischer vermag es im Grunde auch zu sein.

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