Ein Ex-Priester, der Wunder und Magie nicht auseinanderhalten kann?

John Dominic Crossan schreibt (1991, Kap. 13): „Ich meine, dass Magie sich zur Religion verhält wie Banditentum zur Politik.“

Zuvor hat er beschrieben, wie schwierig es philosophisch ist, für den Zeitraum 40 v. Chr. – 70 n. Chr einen plausiblen fundamentalen Unterschied anzugeben zwischen einem Räuber in den Höhlen des Berglands von Judäa und einem etwas größeren Räuber auf einem kaiserlichen Thron in Rom. Das glaube ich auch. So mancher römische Kaiser hat tatsächlich in buchstäblichen Räuberhöhlen angefangen. Angesichts der späteren Menschheitsgeschichte kann man das nicht irritierend finden.

ABER: Crossans Zugriff auf das Thema „Magie“ verkennt die gute sachliche Greifbarkeit der Unterscheidung zwischen Magie und Religion. Dieser Unterschied mag eher normativ als deskriptiv sein – aber er ist eindeutig: Ein Wunder ist, wenn nichts die Handlungshoheit Gottes bestreitet; sobald dem rituellen Handeln des Wundertäters irgendeine „Eigenmächtigkeit“ zugeschrieben wird, ist es Magie.

Es würde äußerst befremden, sollte dem ehemaligen katholischen Priester Pater Dominic, OSM, dieser Unterschied nicht bewusst sein.

Man muss an dieser Stelle leider wirklich den Verdacht haben, dass ihm ein „echter“ Wundertäter-Jesus programmatisch einfach nicht in den Kram passt. Wenn „Wundertäter“ und „Magier“, wie Crossan will, letztlich mehr oder weniger dasselbe ist, kann man Jesus nämlich leichter so extrem politisch erklären, wie es unverkennbar Crossans Wunsch ist (den er immerhin nicht leugnet, was sympathisch ist). Denn ein Magier hat unzweifelhaft eine Affinität zum politischen Provokateur – ein Wundertäter im streng religiösen Sinne deutlich weniger.

Hier schießt Crossan meines Erachtens allzu „absichtlich“ übers Ziel hinaus. So inspirierend er ist, man muss mit ihm immer auch ein bisschen vorsichtig sein.

Jesus ist politisch, weil Religion und Politik in seiner kulturellen Umgebung nicht zu trennen waren. Crossans Jesusbild trägt dem letztlich nicht angemessen Rechnung, es ist etwas zu politisch.

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